FÜR DIE ZUKUNFT LERNEN

Aktuelles

BADISCHE ZEITUNG vom 12.05.2017

ein Bericht von Kai Kricheldorff


Gedenkstättenpädagogik braucht neue Zielgruppen

Verein "Für die Zukunft lernen" bereitet sich auf Jubiläum vor.

BREISACH/FREIBURG. 2018 begeht der in Breisach beheimatete Verein "Für die Zukunft lernen – Verein zur Erhaltung der Kinderbaracke Auschwitz-Birkenau" sein 25-jähriges Bestehen. In der Mitgliederversammlung in der katholischen Hochschule Freiburg nahmen die Überlegungen, wie dieses Ereignis würdig und angemessen gefeiert werden kann, einen breiten Raum ein. Als Gastredner begrüßte der Vereinsvorsitzende Professor Werner Nickolai den Historiker Eike Stegen aus Berlin, der zum Thema "Gedenkstättenpädagogik in der Migrationsgesellschaft" sprach.

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30 Jahre Internationale Jugendbegegnungsstätte

Am 11. Dezemebr fand in Oswiecim / Auschwitz in der Internationalen Jugendbegegnungsstätte der Festakt zum 30 jährigen Bestehen statt.
Leszek Szuster, Direktor der Begegnungsstätte, führte durch ein beeindruckendes Programm. Mit Videoeinspielungen wurden Themen wie Toleranz, Begegnung, Freiheit und viele mehr eindrücklich präsentiert. Die über 300 geladenen Gäste wurden zudem durch die musikalische Begleitung des Orchesters auf hohem Niveau unterhalten und auch nachdenklich gestimmt.

Leszek Szuster im Gespräch mit einer Holocaust Überlebenden
Leszek Szuster im Gespräch mit einer Holocaust Überlebenden

Nachruf zum Tode von Max Mannheimer

Max Mannheimer

Am 23. September verstarb unser Vereinsmitglied Dr. h.c. Max Mannheimer.

Max Mannheimer war Gründungsmitglied unseres Vereins "Für die Zukunft lernen - Verein zur Erhaltung der Kinderbaracke Auschwitz-Birkenau e.V.. Seit dieser Zei gehörte er auch dem Beirat unseres Vereins an. Im Jahre 2000 wurde er auch Mitglied im Beirat des Blauen Hauses - ehemaliges jüdisches Gemeindehaus Breisach. Sein Anliegen war es, das gerade die jungen Menschen über den Nationalsozialismus erfahren, damit sich die Geschichte nicht wiederholt. Als Überlebender der Konzentraionslager Theresienstadt, Auschwitz und Dachau hat er in Breisach mehrfach mit Schülerinnen und Schülern gesprochen. Er verstand sich nicht als Ankläger, sondern als Zeuge der Zeit: "Ihr seit nicht verantwortlich für das, was geschah. Aber dass es nicht wieder geschieht, dafür schon - so Max Mannheimer bei einer Diskussion mit Jugendlichen in Breisach.

Mit Max Mannheimer verlieren wir eine Person, die unseren Verein mit einer großen Wertschätzung begleitet hat. Bis in die letzten Wochen seines Lebens hat er nach Breisach Kontakt gehalten. Die letzte Post, die ich von ihm erhielt datiert den 20. Juli. Auf einer Postkarte gratuliert er dem Fußballverein SV Breisach für seinen Aufstieg in die Kreisliga A. Dies zeigt einmal mehr, dass Max Mannheimer sich auch mit der Stadt Breisach verbunden gefühlt hat. Persönlich werde ich Max Mannheimer immer im Gedächtnis behalten.

Prof. Werner Nickolai, 1. Vorsitzender

Auf zwei Publikationen möchte ich aufmerksam machen:

Marie-Luise von der Leyen: Max Mannheimer - Drei Leben. Erinnerungen. Deutscher Taschenbuch Verlage.München 2012

Max Mannheimer: Spätes Tagebuch. Theresienstadt-Auschwitz-Warschau-Dachau. Penod Verlag. Zürich 2000.

Badische Zeitung vom 01.10.2016

Badische Zeitung vom 27.01.2016

Erinnerung an ein Überleben im Naziterror

Zum Holocaust-Gedenktag las die Zeitzeugin Tamar Dreyfuss in der Breisacher Realschule / Fotoausstellung im Blauen Haus .

Die Klasse 9f der Hugo-Höfler-Realschule sang unter der Leitung der Musikerin Katharina Müther anlässlich des Gedenktags für den Holocaust jüdische Lieder. Foto: Kai Kricheldorff

BREISACH. Mit einer Lesung in der Hugo-Höfler-Realschule und einer Ausstellung im Blauen Haus wurde am Sonntag in Breisach des Holocausts an den europäischen Juden gedacht.

Vor 20 Jahren gab Bundespräsident Roman Herzog die Anregung, den 27. Januar zum Gedenktag zu ernennen. An diesem Tag des Jahres 1945 hatte die Rote Armee der Sowjetunion das Konzentrationslager Auschwitz befreit, in dem die Schergen des Naziregimes Hunderttausende Juden, Roma und Sinti sowie politische Häftlinge aus vielen Ländern Europas quälten und ermordeten. 2002 erhoben die Vereinten Nationen den 27. Januar zum internationalen Gedenktag, seither wird an diesem Datum weltweit der vielen Opfer des Holocausts gedacht.

Eine wichtige Erfahrung für die junge Generation

In der Hugo-Höfler-Realschule las die Jüdin Tamar Dreifuss aus ihrem Buch "Die wundersame Rettung der kleinen Tamar 1944". Es basiert auf den Lebenserinnerungen ihrer Mutter, die mit ihrer kleinen Tochter zusammen im jüdischen Ghetto der litauischen Hauptstadt Wilna und später versteckt in einem Kloster den Naziterror überlebte. Die Mutter hat sie nach dem Krieg in Israel aufgeschrieben, ihre Tochter Tamar hat sie später ins Deutsche übersetzt und in eine für Kinder verständliche Sprache gebracht.

"Denn meine eigenen Kinder und Enkel haben mich gefragt, wie meine Mutter und ich das damals überleben konnten", sagte die in der Nähe von Köln lebende Tamar Dreifuss bei ihrer Lesung in der Realschule. "Ich erzähle meine Geschichte, damit die junge Generation verstehen lernt, warum sich das, was damals geschah, niemals wiederholen darf", fügte die 77-jährige Zeitzeugin hinzu.

Mit jüdischen Liedern begleitete die Sängerin und Akkordeonistin Katharina Müther mit Schülern der Klasse 9f der Hugo-Höfler-Schule die Lesung. Auf einem Workshop hatte man sie zuvor gemeinsam einstudiert. Teilweise waren die Lieder in jiddischer Sprache.

Am Abend wurde im Blauen Haus die Wanderausstellung "Sage nie, du gehst den letzten Weg" eröffnet. In ihr hat der renommierte litauische Fotograf Antanas Sutkus Ende der 1980er Jahre Überlebende des jüdischen Ghettos von Kaunas (Litauen) porträtiert. Die schwarz-weiß Aufnahmen sind überaus eindrucksvoll. Zusätzliche Infotafeln unterrichten über die Ermordung der litauischen Juden zwischen 1941 und 1944. Bei der Vernissage spielten Katharina Müther (Akkordeon) und die Lehrerin Charlotte Waibel (Cello) Klezmer-Musik.

Zusammen mit ihren Kollegen Regina Maußner und Oliver Staib leitet Waibel an der Realschule das Projekt "Wider des Vergessens", das sich auf vielfältige Weise mit der Geschichte der Vernichtung des europäischen Judentums durch das Hitler-Regime auseinandersetzt.

Bürgermeisterstellvertreter Lothar Menges, der als Repräsentant der Stadt Breisach an der Ausstellungseröffnung teilnahm, betonte die Bedeutung des Gedenkens an die dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte. Mit Gemeinderat Reiner Zimmermann (SPD) reist Menges in Breisachs polnische Partnerstadt Oswiecim, dem ehemaligen Auschwitz. Die beiden Kommunalpolitiker repräsentieren die Europastadt dort bei der zentralen Feier zum Holocaust-Gedenktag.

Kontakt und Info: info@juedisches-leben-in-breisach.de

Die Ausstellung "Sage nie, du gehst den letzten Weg" im Blauen Haus in Breisach (Rheintorstraße 3) kann bis Ende Februar jeweils mittwochs von 14 bis 17 Uhr oder nach Vereinbarung besucht werden.

"Sage nie, du gehst den letzten Weg"

Holocaust-Gedenktag.

BREISACH (cw). In Kooperation mit der Stadt Breisach, den Vereinen Für die Zukunft lernen und Freundeskreis Oswiecim sowie dem Blauen Haus setzen sich Schüler der Hugo-Höfler-Realschule zum internationalen Holocaust-Gedenktag am Mittwoch, 27. Januar, unter dem Motto "Sage nie, du gehst den letzten Weg" aktiv gegen das Vergessen ein.
Am Sonntag, 24. Januar, lädt die Klasse 9f der Hugo-Höfler-Realschule um 17 Uhr zu einer Veranstaltung der besonderen Art in die Aula ihrer Schule ein. Zusammen mit ihrem Geschichtslehrer Oliver Staib und den beiden Lehrerinnen Regina Maußner und Charlotte Waibel gelang es der Klasse, die Zeitzeugin Tamar Dreifuss zu einer Lesung in die Realschule einzuladen.

Unter dem Titel "Sage nie, du gehst den letzten Weg" wird Dreifuss an diesem Sonntagnachmittag aus ihrem Buch "Die wundersame Rettung der kleinen Tamar 1944", das von ihrer abenteuerlichen Flucht aus dem Ghetto Wilna berichtet, lesen und aus ihrem Leben erzählen.

Für die musikalische Gestaltung konnte die bekannte Akkordeonistin und Sängerin Katharina Müther gewonnen werden. Auch die Schüler der Klasse 9f werden mit jiddischen Liedern die Lesung umrahmen. Der Eintritt kostet 12 Euro und für Schüler 2 Euro.

Schüler der Realschule wirken mit

Im Anschluss an die Lesung wird um 19 Uhr die Ausstellung "Sage nie, du gehst den letzten Weg, Portraits der Überlebenden des Ghettos von Kaunas und Informationen über die Geschichte der Ermordung der litauischen Juden 1941 bis 1944" im Blauen Haus in Breisach, Rheintorstraße 3, eröffnet. Für Musik sorgen dabei Katharina Müther (Akkordeon)und Charlotte Waibel (Violoncello).

Die Klasse 9f, die in einem Projekttag auf ihren Auftritt vorbereitet und musikalisch von den beiden Künstlerinnen des Duos Wajlu, Katharina Müther und Roswitha Dasch, geschult wird, knüpft mit dieser Veranstaltung an die gelungene Lesung der Modulgruppe "Blaues Haus" der Realschule im Jahr 2015 an. Am 27. Januar werden die Schüler dann zum Gedenken an die Opfer durch die Ausstellung führen.